Vom Schaf zum Wollknäuel

Wie geht das eigentlich?

Ich möchte Dir heute einen Überblick über alle Arbeitsschritte geben, die ich durchführen muss, um ein Wollknäuel herzustellen.
Als Ausgangsprodukt hat man das Schafvlies. Als "Vlies" wird das gesamte abgeschorene Fell bezeichnet, mitsamt allem Grannenhaar (zum Spinnen ungeeignete Haare), Dreck und ... nunja ... allem was das Schaf so fallen lässt.
Hier siehst du das Vlies des Schafes Meisel, das ich zur Weiterverarbeitung bekommen habe. Insgesamt 4-5 kg Wolle hat das gute Tierchen mit sich herumgetragen.:D




Unschwer zu erraten, dass man die Wolle erstmal waschen muss. Aber wie? Man kann das Zeug ja nicht einfach in die Waschmaschine packen...

Zunächst lasse ich einen Teil des Vlieses (ca 300g), den ich vorher schon von grobem Dreck und ... Schafshinterlassenschaften befreit habe, in der Badewanne in kaltem Wasser einweichen und zwar über Nacht. Dabei wird das Vlies weicher, einiger Dreck und auch einiges Lanolin werden ausgewaschen. (Lanolin ist das Wollfett, dass in der Talgdrüsen der Schafe produziert wird und das Fell witterungsbeständiger macht, quasi Schafshampoo).
Dann kommt noch eine zweite Waschung mit Kernseife und anschließender Spülung in Essigessenz.
Anschließend wird die Wolle getrocknet, was bei mir leider nur auf dem Fensterbrett geht, da ich weder Balkon noch Garten habe... naja, aber mit improvisieren geht mehr als man denkt!
Auf dem Bild sieht du eine Ladung im Sonnenlicht trocknen:



Getrocknet kann die Wolle prinzipiell gut gelagert werden. Wichtig ist jedoch, dass sie luftig und hell aufbewahrt wird, denn im stickigen Dunkel fühlen sich Kleidermotten besonders wohl. Ich benutze immer Papiertüten. Kleiner Tipp am Rande: was Motten auch so gar nicht mögen ist Lavendel. Getrockneter Lavendel im Kleiderschrank riecht somit nicht nur gut, sondern erfüllt auch einen Zweck.
Aber zurück zur mittlerweile getrockneten Meisel. Wer denkt, jetzt könnte munter gesponnen werden hat nur halb recht. Theoretisch ginge das, aber da die Wolle immer noch verfilzte Stellen und Knoten hat ziehe ich es vor die Wolle vorher noch zu kardieren. Hierzu nehme man zwei Bürsten, die Handkarden genannt werden und kämmt bzw. kardiert die Wolle. Der Filz und letzte Dreckkrümel werden ausgekämmt und die Haare werden in eine Richtung ausgerichtet. Das vereinfacht das Spinnen ungemein.



Sooooooo, endlich kann mit der eigentlichen Spinnerei begonnen werden. Die Erklärung hierfür lass ich mal außen vor (kompliziert!). Demnächst werde ich Dir erklären wie eine Handspindel funktioniert.
Im Falle Meisel habe ich zwei Fäden gesponnen und anschließend in entgegengesetzter Spinnrichtung verzwirnt, um so ein zweifädiges Garn herzustellen.
Auf dem Bild weiter unten siehst du angesponnenes, einfädiges Garn.
Danach wird das Garn gehaspelt, das heißt das sie mithilfe eines bestimmten Gerätes, in meinem Falle einer Kreuzhaspel, locker aufgewickelt wird. Dabei entsteht so eine Art Schlaufe, vergleichbar mit einem Loop-Schal.



Anschließend wird WIEDER gewaschen, da die Wolle durch das Spinnen einen Drall hat (ähnlich wie diese garstigen spiralförmigen Telefonschnüre die sich immer in sich verheddern). Dieses Mal passiert das Waschen im Färbetopf, der in meinem Fall einfach ein großer Kochtopf ist (Keine Sorge, in dem bereite ich keine Mahlzeiten zu). Bei diesem Arbeitsschritt kann auch gleichzeitig gefärbt werden, was bei der dunkelbraunen Meisel nicht wirklich Sinn ergäbe. Die Wolle wird mit Wasser und etwas Spülmittel im Topf erhitzt, beim Färben gekocht.

Wenn der ganze Spaß wiederum getrocknet ist muss die Wolle nur noch gewickelt werden (natürlich von Hand!) und voilá, strickfertig ist das Schaf!



Ich hoffe, ich konnte dir einen halbwegs überschaubaren Einblick geben, in das was ich so mache. Hiermit verabschiede ich mich für heute!
Grüße gibt es noch vom Star des Tages: Meisel

9.9.14 08:24

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